AKT 5: INTERGALAKTISCH

AKT 5: DIESMAL WIRD ES INTERGALAKTISCH

Ein Aufruf von der Gelbjacken für Solidaritätmassnahmen, überall…

Am Anfang war es Zorn, gegen neoliberalen Klimatpolitiken. Es war eine Revolte gegen eine unfaire Treibstoffsteuer, bei der die Arbeiter und nicht die reichen und schuldigsten multinationalen Unternehmen den Preis für die Verschmutzung unseres Planeten zahlen.
Jetzt, vier Wochen später, ist es zu einem Volksaufstand für Würde geworden, zu einer Rebellion gegen die Elite und ihre Welt, zu einem Ruf nach Gleichheit. Es hat sich zu einer starken Ablehnung von Repräsentation, Sprechern, politischen Parteien und Gewerkschaften entwickelt.
Wir alle waren überfordert von dem, was passiert ist, und die Menschen sind mehr als sie selbst geworden ; weil es nicht möglich ist, uns zu definieren, ist der einzige Code, den wir haben, ein Farbcode ; alle anderen sind kaputt.
Wir sind zu verschieden und dezentralisiert, um als Bewegung bezeichnet zu werden, zu vermischt, um unter einen einzigen Name zusammengefasst zu sein, so sagen wir einfach, dass wir eine Aufstand sind!
Einige in Europa haben versucht, es zu einem Symbol ihrer rechtsextremen Ideen zu machen und unsere Heterogenität auszunutzen. Die Gelbjacke war ursprünglich ein Instrument der Straßenverkehrssicherheit, heute ist sie ein beispielloses Ereignis, das die Bruchlinie öffnet, die unsere Zukunft prägt, eine Kluft, die wir anfüllen müssen, zwischen sozialer Gerechtigkeit und Umweltgerechtigkeit. Er fordert uns alle auf, eine Wahl zwischen den politischen Klassen und den Menschen zu treffen, zwischen der Schließung von Grenzen und der Öffnung von Möglichkeiten, zwischen Verzweiflung und Hoffnung.
Dieser Samstag, der 15. Dezember, wird ein wichtiger Moment sein, AKT 5. Jeden Samstag wurde ein Akt genannt, als Anerkennung dafür, dass das schönste Volkstheater auf der Straße stattfindet, wenn wir in fluoreszierend gelbe Kostüme gekleidet sind. Dann rennen wir durcheinander, wie ungehorsame Bienen. Unter der Woche haben wir gefordert, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten – Straßen, Ölraffinerien, Fabriken usw. – blockiert wird.
Der Wirtschaftsminister sagt schon, dass mehr als 10 Milliarden Euro verloren gegangen sind und dass das Wirtschaftswachstum Frankreichs beeinträchtigt wird. Jeden Samstag ist die Anweisung, den Konsum – Supermärkte und Einkaufszentren – zu behindern und sich in der Nähe der Symbole der Staatsmacht zu versammeln – des Präsidentenpalastes in Paris und der Präfekturen in den Regionen.

Während sich alle Kameras der Welt auf die Champs-Elysées konzentriert haben, kommt unser Schwarm von Gelbjacken nicht aus den Metropolen, sondern aus den vergessenen Umgebungen, und der Aufstand geht mit Blockaden in den Dörfern und Städten des Landes weiter. Diejenigen von uns, die nicht können, ihre Tage und Nächte in den provisorischen Hütten zu verbringen, in geschäftigen Kreisverkehren zu bleiben, oder die Autobahngebühren zu schließen, diesen bringen Kuchen, Paletten, heißen Kaffee am Morgen oder Rechtsberatung für diejenigen, die noch nie zuvor ein Gesetz gebrochen haben.

Im Theater ist der 5. Akt der letzte Akt, egal ob er mit Katastrophe oder Sieg endet. An diesem Samstag steht die Zukunft dieser Rebellion auf dem Spiel, deswegen laden wir ihnen alle ein, auf der ganzen Welt und darüber. Wir laden ihnen ein, Ihre Gelbjacke anzuziehen und in Solidarität zu handeln. In der Vergangenheit hat Frankreich bereits den Funken geliefert, der die Pulver der Geschichte in Brand setzte. Heute braucht diesen Funke einen Atemzug von anderswo, um beleuchtet zu bleiben. Am Samstag müssen wir beweisen, dass den 5. Akt nicht endgültig ist. Wir schreiben das Drehbuch und werden wieder die Akteure unseres Lebens.

In Vorbereitung auf den 4. Akt versuchte der französische Staat letzten Samstag (8. Dezember), das Feuer mit der Waffe der Angst zu löschen, „die Menschen werden mit Waffen kommen… sie sind bereit zu töten“ sagte der Innenminister vor den Kameras. Er kündigte die größte Polizeimobilisierung in Frankreich seit „Mai 68“ an – 89. 0000 Polizisten im ganzen Land, zwölf gepanzerte Fahrzeuge in Paris, Hubschrauber mit Tränengas, Wasserwerfer.

„Die Republik ist sicher“, hat er gesagt, um das Volk zu beruhigen. Dann haben sie die Gymnasiasten verhaftet und demütigt, die sich gegen die Reform des Schulsystems aussprachen und die, die die soziale Netzwerke als Lebenssaft des Aufstandes genutzt hatten. Aber es hat nicht funktioniert. Wir sind nicht zu Hause geblieben. Zehntausende von uns sind für den 4. Akt hinausgegangen, und haben weiterhin Macrons Entlassung gefordert. 1700 von uns wurden verhaftet (Hunderte als Präventivmaßnahme), mehr als 200 wurden verletzt, die Polizei verhinderte, dass einige Journalisten ihre Arbeit verrichteten, und in mehreren Städten kam es zu Unruhen.
Die Elite und ihre Live-Fernsehsender schweigen, sie versuchen zu kennzeichnen, zu verstehen, sie suchen nach Sprechern, nach einem Vertreter, nach klarem Anspruch. Aber als sie auf die alte Welt schauen, erschaffen wir die neue. Ihre größte Befürchtung ist, dass die Bevölkerung bei uns bleibt, trotz ihrer Versuche, uns zu spalten. Trotz ihrer Versuche, zu behaupten, wir seien von der extremen Rechten oder der extremen Linken, „gewalttätige Hooligans”, „Chaosprofis”… 72% der Volke sind bei uns, während nur 18% für Macron sind. Auf ihre lächerlichen Fantasy-Labels antworten viele von uns, dass wir einfach revolutionär sind, dass wir diejenigen sind, die einst nichts an der Macht waren, und dass wir sie jetzt zittern lassen.

Am Montagabend brach Präsident Macron, von der tiefe Verachtung Öl ins Feuer geworfen hat, sein Schweigen. 23 Millionen Menschen beobachteten ihn live, als er versuchte, Autorität und ruhige Wut vorzutäuschen. Er versprach Dinge, die er zwei Tage zuvor geschworen hatte, nie aufzugeben: ein wenig Hilfe für Mindestlohnarbeiter, keine Überstundensteuer. (Die Gassteuer wurde bereits letzte Woche reduziert). Er erwähnte nie das Wort Ökologie und sorgte dafür, dass die Reichen und das Kapital nicht besteuert würden.
Aber nur wenige wurden bei den Krümeln, die er auf uns geworfen hat, getäuscht. Als die Gelbjacken fern sahen, jede Anzeige wurde ausgebuht: „Er verarscht uns… “”Macron hat nichts auf das Ausmaß was passiert verstanden” hat einer der Presse gesagt, „Wir verlangen jetzt, das System zu ändern!”

Einer von uns, der sich mitten in einem Kreisverkehr vor einem Lagerfeuer kuschelte, erinnerte jeden an die Stärke der Freundschaft, die wir diesen Monat geschlossen haben: „Wir treffen uns, wir umarmen uns. Unser Schweigen hat uns getötet” sagt er, „wir sind zu lange geschwiegen. Wir waren unsichtbar. Das Gelb hat uns gerettet“. Inzwischen können wir an den überall gekritzelten Wänden die Worte „Wir wollen nicht nur überleben, sondern leben” lesen.

Letzten Samstag hat ein Polizist in Paris zu einem von uns gesagt: „Wenn du am Leben bleiben willst, geh nach Hause“. Seine beängstigenden Worte spiegeln einfach die Gewalt wider, die alle Regierungen bereit sind anzuwenden, wenn sie das Gefühl haben, dass die Menschen unregierbar geworden sind. Die Gelbjacke war früher ein alltägliches Symbol für Sicherheit, eine Farbe, um Gefahren zu vermeiden, jetzt ist sie zu einem magischen Mantel der Sichtbarkeit geworden, einer fluoreszierenden Kraft, die fragt: Wer wird für die Sicherung unserer fragilen Zukunft verantwortlich sein? Entweder diejenigen, die es als eine Möglichkeit sehen, Geld zu verdienen, und ihre Kontrolle über die Bevölkerung zu erhöhen, oder das Volk…

Bevor waren wir unsichtbar, einfach nichts, jetzt sind wir überall…
Samstag, 15. Dezember, für den 5. Akt, ist es diesmal intergalaktisch, und alles ist blockiert (vor allem die französischen Multis, Symbole des französischen Staates, und der Banken in Ihren Gebieten).

Postskript:
Als wir diesen Aufruf zum Handeln zu schreiben beenden, erfahren wir, dass die ägyptischen Behörden kommerzielle Verkaufsstellen angewiesen haben, den Verkauf von gelben Westen einzuschränken, aus Angst, dass uns ägyptische Demonstranten folgen werden, insbesondere anlässlich des achten Jahrestages des Frühjahrs 2011… seines Starts…

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